Digitaler Lebensstil & Nachhaltigkeit: wie geht das ?

Wir sind alle digital unterwegs heutzutage. Die Nutzung digitaler Medien, Geräte und „Tools“ ist ein integraler Bestandteil des Alltages bei den meisten von uns. Doch läßt sich auch Nachhaltigkeit mit dem digitalen Lifestyle verbinden? Wie kann ich meinen ökologischen Fussabdruck reduzieren und dennoch an der digitalen Welt teilhaben?

Immerhin produzieren wir mit unserem digitalen Tun eine beachtliche Menge an CO2-Emissionen. Eine aktuelle Berechnung des Öko-Instituts ermittelte einen durchschnittlichen digitalen CO2-Fussabdruck pro Kopf von 850 kg im Jahr. Wenn man bedenkt, dass ein verträgliches Maß eines ökologischen Fussabdrucks nur 2.000 kg im Jahr sein sollen, dann ist der digitale Lebenswandel hier ein erheblicher Ballast.

So sehr uns die digitale Welt auch Nutzen bringt, so sehr sollten wir auch darauf achten, dass wir diesen Vorteil nicht durch mangelnde Nachhaltigkeit wieder zunichte machen. Deshalb ist es sinnvoll, ein paar kleine und große Schritte zu unternehmen, um das digitale Leben ein bisschen nachhaltiger zu gestalten. Wir haben hier ein paar Ratschläge dazu gesammelt.

Geräte reduzieren

Ein großer Batzen an CO2 Emission entsteht durch die Produktion und Lieferung von digitalen Geräten, den anschließenden Stromverbrauch während der Lebensdauer und schließlich durch die Entsorgung. Wenn wir also unsere Geräte auf ein Mindestmaß beschränken, dann können wir ein wenig die Emissionen reduzieren. Vor allem größere Geräte wie Fernseher, PC oder Laptop sind hier Klimakiller. Ein Smartphone ist etwas weniger belastend. Allerdings auch nur, wenn es nicht in jährlichem Rhythmus ersetzt wird, sondern möglichst lange genutzt wird. Da die Smartphones heutzutage extrem leistungsfähig sind, muss man sich dann auch genau überlegen, ob man damit nicht auch das Laptop ersetzen kann oder auch andere digitale Geräte (wie zB ein TV Decoder oder ein Sprachassistent). Minimalismus ist die Devise.

Geräte reparieren, recyclen oder spenden

Anstatt Neuanschaffung ist bei einer nachhaltigen Lebensführung immer auch zunächst die Möglichkeit einer Reparatur zu erwägen. Wir sind bei vielen digitalen Geräten – vor allem Handy – inzwischen gewohnt, diese als Wegwerfartikel zu sehen. Ist das Handy kaputt, wird halt ein neues gekauft. Aber reparieren lohnt sich in sehr vielen Fällen und sollte bevorzugt werden. Außerdem – wenn es denn garnicht zu reparieren geht – schaut man sich auch nach guten gebrauchten Geräten um. Es gibt glücklicherweise viele Möglichkeiten heutzutage, auch gute gebrauchte, instand-gesetzte digitale Geräte zu erwerben; manchmal sogar mit Garantie. Altgeräte sollte man dann auch entsprechend in diesen Kreislauf der Wiedernutzung einbringen. Eine nachhaltige Möglichkeit ist auch, das alte Handy zu spenden. Hier gibt es eine Initiative der Umweltstiftung dazu: https://www.handysfuerdieumwelt.de/

Eine gute Wahl sind auch nachhaltig produzierte Geräte, die auch reparierfähig oder ‚upgradefähig‘ sind. Als Beispiel ist hier das Fairphone zu nennen, das diesem Anspruch gerecht wird. Leider ist die Industrie noch zu sehr auf stetigen Produktverkauf fixiert und weniger auf Reparatur und Produktplattformen, die sich leicht erweitern oder erneuern lassen. Sie verursacht zum großen Teil das Wegwerfproblem aus reiner Wachstumsgier. Aber wir Verbraucher sollten mündig sein und entscheiden, welche Produkte wir wählen: nachhaltig einkaufen ist deshalb gerade bei digitalen Geräten schwer, aber umso dringender geboten.

Nutzung reduzieren: digitale Auszeiten

Wer es einmal gemacht hat, schwärmt davon: einen digitalen Detox. D.h. man nimmt sich eine Auszeit von allen digitalen Medien (oder gar Geräten generell). Der Alltag von vielen von uns ist inzwischen durch konstanten Gebrauch der sozialen Medien und digitalen Dienste geprägt. Wir sind fast fremdbestimmt dadurch und verbringen Unmengen an Zeit tagtäglich durch das Checken von Nachrichten, das Posten, Liken, Browsen, etc… Wenn Du dir einmal einen Tag vornimmst, all das wegzulassen, wirst Du entdecken, wieviel Zeit Du übrig hast. Es entschleunigt den Alltag und macht den Kopf frei. Diese positive Effekte kannst Du auch nach der digitalen Auszeit fortführen, indem Du nur zu bestimmten Zeiten am Tag deine Mails abrufst, die sozialen Medien checkst oder im Web surfst. Wie man sich eben auch Essenszeiten angewöhnt, kann man sich auch 3x am Tag eine digitale Zeit nehmen und den Rest darauf verzichten. Die Welt dreht sich dennoch weiter und Du verpasst nichts – versprochen!

Digitale Dienste sorgfältig wählen

Mit der Nutzung bestimmter digitaler Dienste kann man auch nachhaltige Zeichen setzen. Wusstest Du zB dass die regelmäßigen Such-Abfragen bei Google etwa 26kg CO2 pro Jahr und Nutzer erzeugen? Das kann man anders machen. Es gibt alternative Suchmaschinen, die sogar Gutes tun. Allen voran ist hier Ecosia zu nennen. Mit deiner Nutzung von Ecosia trägst du zum Umweltschutz bei, weil das Unternehmen alle Gewinne in das Pflanzen von Bäumen steckt.

Ein anderer empfehlenswerter Dienst ist Posteo. Dieser Email-Dienstleister ist grün, sicher und werbefrei. Eine tolle Alternative zu all den anderen Email-Anbietern, die aufgrund ihrer Verflechtungen mit anderen Unternehmen, großes Interesse daran haben, deine digitale Nutzungszeit mehr und mehr anzufeuern.

Mehr analog leben

Nichts geht über ein gutes Gespräch anstatt ein mühsamer Chat. Ein schöner Spieleabend mit Freunden ist oft erfüllender als endloses Binge-Watching der x-ten Teenie-Serie auf Netflix. Zuhause gemütlich kochen, macht mehr Spass als sich über eine App die Pizza liefern zu lassen. Wieder einmal ein Bild malen oder etwas basteln, kann mehr Freude bringen als Bilder für Insta zu bearbeiten. Was wir sagen wollen: lebe wieder bewußter analog und ohne digitale Unterstützung.

Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.