Ist die Zukunft der Landwirtschaft – vertikal?

Fast 70% der Weltbevölkerung wird bis zum Jahre 2050 in den urbanen Zentren der Welt leben. Um diese 3 Milliarden zusätzlichen Menschen ernähren zu können, würde man eine Nutzfläche von 109 Hektar zusätzlichem Land benötigen. Experten gehen davon aus, dass um die stetig steigende Weltbevölkerung zu ernähren, die Landwirtschaft neue Wege gehen muss – und zwar wie einst die Häuser in den Städten: in die Höhe. Mit „vertical farming“ könnte durch ressourcenschonende Nutzung und Kreislaufwirtschaft auf engstem Raum Abhilfe geschaffen werden.

Die Idee von „vertical farming“ besteht darin in Hochhauskomplexen verschiedene Etagen für Nahrungs- und Versorgungsmittel zu nutzen. Die Hochhäuser agieren diesbezüglich als eine Art Riesengewächshaus, in denen jede Art von Pflanzen und Gemüse gedeihen können. Die Bedingungen der vertikalen Farmen sind natürlich nicht mit der herkömmlichen Landwirtschaft vergleichbar und so wird vor allem auf Hydrokulturen (erdlose Pflanzenarten) bzw. auf Gewächshäuser angelehnte Verfahren gesetzt. Die Häuser agieren als kleines Ökosystem und beinhalten beispielsweise Silos, Solar-, Wind- und Wasserfilteranlagen.

Wie so viele landwirtschaftliche Techniken birgt „vertical farming“ sowohl Vor- als auch Nachteile. Der größte Vorteil besteht in der Nähe zum Verbraucher. Transportkosten und die damit verbundene Preiserhöhung der Produkte für den Endverbraucher wird es nicht mehr geben – was auch ein großer Vorteil für die Umwelt darstellt. Weiter ist die vertikale Anbauweise vor allem für den geringen Platz in den Großstädten von großem Vorteil. Die vertikalen Farmen ermöglichen zusätzlich eine ganzjährige und saisonunabhängige Pflanzenproduktion. Dadurch dass Transporte und Kühlung der Waren entfallen, gibt es viel weniger Ernteverluste. Äußere Faktoren wie beispielsweise Dürre, Starkniederschläge, Hagel und Frost haben für die vertikalen Farmen keine Auswirkungen und somit sind die Ernteerträge äußerst sicher. Die Vertikalen Farmen ermöglichen die Umwandlung von verschmutztem Grau- und Schwarzwasser in Trinkwasser,  indem das durch die Evapotranspiration abgegebene Wasser aufgefangen wird. Der konventionellem Ackerbau in Naturgebieten führt meist zu einem enormen Rückgang der Wildtierpopulation. Das Artensteben wird hierbei durch Düngung, Pflanzenschutz und Ernteprozesse vorangetrieben – „vertical farming“ hätte diesbezüglich keinerlei Auswirkungen für die Tierwelt. Ein großer Nachteil des „vertical farmings“ wird der hohe Energieverbrauch sein. Vor allem der Energieverbrauch für die künstliche Beleuchtung der Produktion ist enorm und leider noch alternativlos.  

Thomas Killer
killer.thomas@icloud.com

"Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können Sie das Gesicht der Welt verändern."