Mehr (Er-)Lebensqualität durch das Fahrrad

Die Schlagzeilen stehen in diesen Tagen überall: das Fahrradgeschäft boomt in Deutschland. Seit die Corona-Maßnahmen wieder gelockert wurden und die Menschen wieder zum Einkaufen gehen dürfen, rennen sie den Bike Shops die Bude ein. Der Trend geht eindeutig zu mehr Radfahren und begann schon während der ersten Phase des Lockdowns: Aus Angst vor Ansteckung in den beengten Nahverkehrsmitteln stieg manche*r Pendler*in lieber in den Sattel. Begünstigt durch milde, sonnige Witterungsverhältnisse im März fiel dieses Umsatteln leicht. Die Leute fanden Gefallen an der neuen mobilen Individualität und der – zum Glück nicht schädliche – Rad-Virus infizierte immer mehr Mitmenschen. 

Der Trend zum Rad ist nachhaltig in vielerlei Hinsicht und erhöht die Lebensqualität für dem Körper, Geist und Umwelt. Zunächst ist da der Aspekt der persönlichen Gesundheit. Eine kleine tägliche Bewegungseinheit per Rad ist in jedem Fall mehr Gutes für Körper und Geist als ein dumpfes Sitzen in der S-Bahn. Der Aufenthalt an der frischen Luft spült die Lungen und den Kopf frei – es macht rundum gute Laune. Erhebend für die Laune ist auch das gute Umweltgewissen, dass sich mit dem Radfahren einstellt. Die Gewissheit, dass man etwas Gutes für sich und die Umwelt tut, beflügelt mit jedem Tritt in die Pedale. Den Kampf gegen den Klimawandel kann jeder mit dem Fahrradlenker in der Hand mit austragen.

Beflügelnd wirkt sich auch aus, dass E-Bikes nicht mehr den trägen Geruch lahmer Alter oder fauler Zeitgenossen haben. Ein E-Bike zu besitzen und es auch dann vor allem zu benutzen ist langsam ein Ausdruck von Modernität und Zeitgeist. Hilfreich hierfür sind die vielen neuen durchdesignten und manchmal avantgardistisch anmutenden E-Bike-Modelle, die besonders gerne von städtischen Zum-Rad-Bekehrten gekauft werden. Radfahren ist ein Statement und wer grundsätzlich eine nachhaltige Haltung demonstrieren will, kommt mit dem Rad zu Terminen. Mit dem E-Bike erscheint man auch frisch und gepflegt nach entspannter Anfahrt. Die Zeiten der obligatorisch schlecht-sitzenden Radlershorts (in denen sowieso nur maximal 10% der Träger wirklich gut aussehen) sind vorbei: auf dem e-Bike kann man auch im Anzug anreisen.

Kommunen setzen (sich) aufs Rad

Auch die Kommunen und Regierungen entdecken den Trend. Noch mehr: vielerorts wird das Radfahren auf unterschiedliche Weise gefördert. Berlin widmete während des Lockdowns einigen Strassenbereich kurz zu Radwegen um. London zog kürzlich nach und legte einen umfassenden Plan zum Ausbau der innerstädtischen Radwege vor. Ziel ist es, den Radler*innen und Fussgänger*innen deutlich mehr Vorrang einzuräumen – und das Autofahren unbequem zu machen. Selbst solche Städte wie Rom und Mailand, wo das andauernde Hupkonzert der Autos fast schon zur natürlichen Geräuschkulisse gehört, gaben weitreichende Pläne zum Ausbau des Radwegenetzes bekannt. 

Während hier in Deutschland die Politik in wohlbekannter Rückwärtsgewandtheit großzügige Anreize für Auto-Käufer diskutiert, hat Frankreich auch hier den Zweirad-Trend erkannt und unterstützt: die Regierung bezuschusst den Kauf von E-Bikes mit bis zu 500 EUR und für Fahrradreparaturen werden bis zu 50 EUR der Kosten erstattet. Solche Programme wünschen wir uns auch für unser Land. Leider fristen bei uns noch derartige Subventionen ein Schattendasein: nur wenige Menschen wissen, dass man auch bei uns zB recht großzügige Zuschüsse für Lastenfahrräder erhält. Diese sind in erster Linie für Unternehmen und Betriebe, aber auch Freiberufler und kleine Läden gedacht. Aber sie stehen auch Vereinen, Kommunen und anderen Organisationen zur Verfügung.  Auch Arbeitgeber springen auf den Zug – Verzeihung: aufs Fahrrad mit auf. In vielen Unternehmen werden attraktive Leasing/ Finanzierungsangebote für die Mitarbeiter*innen zum Erwerb eines E-Bikes bereitgestellt und als Teil eines zeitgemässen Leistungsspektrum angepriesen. Leasing und Bikesharing Modelle nehmen auch für den Privathaushalt immer bessere Formen an – und werden den Bike Boom weiter fördern.

Wer nachhaltig (er-)leben will, der fährt eben Rad.

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Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.