Nicht das Rad neu erfinden – aber Radfahren in Städten

Ein interessanter, positiver Nebeneffekt der Corona-Pandemie: Manche Städte sperren Strassenbereiche nun für Autos, um den Radfahrern Platz zu schaffen. So hat z.B. Berlin kurzfristig entsprechende Bereiche in Kreuzberg und Friedrichshain geschaffen. Aber auch so exotische Orte wie Bogota realisierten die Idee. Der Sinn dahinter: da Menschen nicht auf engem Raum zusammen sein sollten, ist die Nutzung der ÖPNV Struktur wenig zweckmäßig. Autoverkehr ist aber keine gesunde Alternative- auch gerade in chronischen von Stau lahmgelegten Städten. Das Rad ist daher die logische Konsequenz- zumal es auch für den Radfahrer selbst gesund ist.

Während natürlich nach wie vor gilt, dass man in diesen Tagen sowieso jeglichen Verkehrsweg einschränken soll und besser zuhause bleibt, sind ein guter Teil der Bevölkerung auf den Gang zur Arbeit oder anderen dringenden Erledigungen angewiesen. Neben den notwendigen Einkäufen, muss man auch sonst mobil sein. Nicht zu vergessen, die Versorgung durch Botendienste und Pflege der Menschen, die garnicht selbst raus können. Hier ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel. Automatisch hat man damit auch Abstand zu anderen Menschen. Dank e-Bikes sind auch weitere Strecken machbar. Der Frühling mit angenehmen Wetterbedingungen macht den Wechsel auf den Radsattel auch leichter. Der ADFC hat die Politiker in Kommunen und Parlamenten ausdrücklich dazu ermuntert, jetzt mutig gerade diese Zeit für neue Radkonzepte zu nutzen. Das Rad sei ein essentieller Bestandteil eines resilienten Verkehrssystems.

Radfahren ist gesund für Mensch und Verkehr

Radfahren ist gesund: für Dich und Deine Umgebung. Es gibt – neben dem zu Fuss laufen – keine umweltfreundlichere und nachhaltigere Fortbewegungsmethode. Gerade in Städten ist Radfahren von besonderer Bedeutung, um die Umwelt von Abgasen, Verkehrskollaps und Blechlawinen zu entlasten. Immer mehr Städte setzen deshalb auf den Ausbau des Radnetzes und versuchen so, Radfahren im Alltag nicht nur verkehrssicher, sondern vorteilhaft für die Bürger zu machen.

Ein großes Vorbild in Sachen „Radfahrerfreundliche Stadt“ ist Kopenhagen in Dänemark. Schon seit Jahren nimmt die Stadt eine Vorreiterrolle in diesem Thema ein. Kein Wunder: denn angeblich nutzen alleine 40% der Einwohner das Fahrrad für den Weg zur Arbeit und manche Radspuren sehen einen Durchfahrtsverkehr von 40.000 Radfahrern pro Tag. Da kann es schon mal zu Stau kommen – auch das passiert Radfahrern. Aber Kopenhagen zeigt sich auch da vorbildlich und hat nun eine neue Radspur-/brücke in Planung gegeben, die sicherlich zu den schönsten und innovativsten dieser Art gehören wird.

Die Idee ist dabei, den langsameren Fussverkehr der Spaziergänger an der Uferpromenade von dem schnelleren Radverkehr zu trennen. Dafür wird eine eigene Brücke in ca. 4m Höhe gebaut. Radfahrer sind damit auf der Überholspur und es gibt auch keine Gefahr des Zusammenstoßes von Radfahrern mit Fussgängern.

Der generellen Vorbildrolle von Kopenhagen als Radfahrer-Hauptstadt hat sich auch ein Video auf Youtube angenommen. Die Initiative „We Love Cycling“ stellt das Konzept und Vorteile einer radfahrerfreundlichen Stadt anhand des Beispiels Kopenhagen vor. Es geht dabei auch darum, andere Städte zu ermuntern, mit ebenso großem Engagement das Radfahren zu ermöglichen und angenehm zu machen.

https://www.youtube.com/watch?v=NAr5sB6aivk

Und schließlich gibt es sogar ein eigenes Designstudio, dass sich der Entwicklung und Ausbau von Radwegesystemen und -einrichtungen in anderen Städten anhand des Beispiels Kopenhagen widmet. Unter dem Motto der Kopenhagenisierung hilft das Unternehmen „Copenhagenize.eu“  anderen Kommunen dabei,  Radfahrer-freundlich zu werden. Ein guter Ansatz und Beweis dafür, dass man auch mit nachhaltigen Konzepten und Ideen ein solides Geschäftskonzept aufbauen kann.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Radwegen und -konzepten in Euerer Gemeinde? Was ist wohl die Radfahrer-freundlichste Stadt bei uns?

Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.