Vergiss Deinen Plan B

Wir Deutsche lieben es ja, das Leben kontrolliert und geplant anzugehen. Es gehört daher dazu, dass man in allen Unternehmungen auch einen Plan B hinterlegt. Doch neuste Forschung zeigt, dass einen Plan B zu haben uns in unserem Möglichkeiten und Erfolgsaussichten eher einschränkt als fördert. Also: Vergiß Plan B und lebe mit voller Kraft deinen Plan A. Auch und gerade in diesen Zeiten der Ungewissheiten und Einschränkungen zeigt es sich doch sowieso, dass ein Plan B oft nicht pass, weil das Leben doch eh anders verläuft…

Warum hindert uns ein Plan B?

Zunächst einmal gaugelt uns ein Plan B eine gewisse Sicherheit und Bequemlichkeit vor. Wer einen Plan B hat, strengt sich weniger an, seinen ursprünglichen Plan umzusetzen. Insbesondere dann, wenn der Plan A ein gewißes Maß an Anstrengung erfordert, mag ggf. ein Plan B wie eine bequemere Lösung aussehen. Wir haben die im Hinterkopf und schon wird das Engagement für Plan A gedroßelt – wir finden uns vor unserem inneren Augen schon mit einer nächstbesten Lösung ab. Der mangelnde Fokus auf unseren Plan A zieht die entsprechende Energie ab, die wir vielleicht genau für die erfolgreiche Umsetzung benötigen.

Fokus auf ein bestimmtes Ziel bedeutet eben auch, dass wir alle Energie genau auf diesen Punkt konzentrieren. Kein anderer Plan oder Alternative soll uns davon ablenken. Machen wir uns gedanklich schon mit dem Scheitern vertraut (nichts anderes ist schließlich ein Plan B), so schaffen wir auch Raum für die Möglichkeit des Scheiterns: Energie wird darauf unbewußt gesteuert. Es ist wie diese berühmten selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Mir ergeht es oft selbst so: Ich habe eine Idee, ein Vorhaben, ein Plan. Dann taucht diese Stimme im Kopf auf: sie redet mir ein, dass der Plan vielleicht doch nicht klappt, dass er zu verwegen, zu träumerisch, zu optimistisch ist. Schon kommen die nächsten Stimmen, die dann darauf hinweisen, die dann konkret darauf hinweisen, was alles schief gehen wird, wo ich scheitern werde und wie die Welt sich gegen mich verschwört. Bald schon schwirrt mein Kopf von Negativszenarien und Horrorbildern. Mein Plan A ist plötzlich nur noch Spinnerei und der Plan B die realistische Alternative. Und das Alles bevor ich es überhaupt versucht habe, meinen Plan A nur annähernd auch umzusetzen. Mein Plan B hat unweigerlich darauf hingewirkt, dass ich die Handbremse ziehe – noch als ich ( bildlich gesprochen) mit dem Auto in der Garage stehe und gerade in den Wagen gestiegen bin.

Der Plan B ist nur der Vorwand, bequem zu bleiben

Oft wird uns der Plan B gerade dann besonders lukrativ erscheinen, wenn Plan A uns aus der Komfortzone führen soll. Da haben wir dann plötzlich tausende von Alternativplänen, weil das Verlassen der Komfortzone eben auch unbequem ist. Wir reden uns umso mehr ein, wie gut doch der Plan B sei, je weiter Plan A uns aus der Komfortzone führen wird. Doch große Erfolge, Glück im Leben und Erfüllung in den Aufgaben finden sich nicht innerhalb einer bequemen Zone: sie sind nur dort erzielbar, wo wir bereit sind, uns selbst zu überbieten; nur da, wo uns der Plan A gelingt und wir mit vollem Herzen an dessen Umsetzung arbeiten – und an ihn 100% glauben.

Ich hab mir als Devise nun immer öfters vorgenommen, meinen Plan A voll und ganz durchzuziehen. Es gibt nur einen Plan – und keine B und C Version mehr. Tauchen skeptische Gedanken auf, dann schalte ich sofort das Kopfkino ab. Ich konzentriere mich auf mein Ziel, auf meinen Plan. Ich stelle mir konkret und im Detail vor, wie es sich anfühlt, wenn der Plan gelingt. Ich bade mich im Erfolgsgefühl und ja: ich träume dabei auch ein bisschen. Es gibt mir die Energie und den Ansporn, an meine Ziele und Wünsche zu glauben. Ich baue damit aber keine falschen Erwartungen auf. Bei der Zielsetzung muss man immer auch Realist bleiben: ein optimistischer Realist – nicht ein negativer Skeptiker.

Lebe auch Du dein Leben ohne Plan B. Es gibt sowieso kein zweites Leben, dass du aus der Schublade ziehen kannst. Nur wenn du alles versucht hast, deinen Plan umzusetzen und schließlich gescheitert bist, dann kannst du einen Plan B entwickeln. Der wird dann sowieso viel besser, weil du nun auch die Erfahrungen aus dem ursprünglichen Vorhaben und dessen Fehler einbringen kannst. Ein Plan B ist also nur immer so gut, wie du vorher einen Plan A versucht hast.

Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.