Von wegen „saugutes“ Leben: Tierqual in deutschen Schweineställen

Besser wäre es, wenn mehr Menschen vegetarisch oder vegan leben würden. Besser wäre es auch, wenn in Deutschland ‚billiges Fleisch‘ nicht als Errungenschaft, sondern als Schande modernen Lebens angesehen würde. Besser wäre es auch, wenn man bei Grillparties damit protzt, wie kreativ und anspruchsvoll man Gemüse ‚smokert‘ und – wenn es schon Fleisch sein muss – wie gut das Tier es vor seinem Schlachttod hatte. 

Wir leben in einer Fleischkonsumgesellschaft und das auf dem Rücken der Tiere, die millionenfach unserem Konsum geopfert werden. Besonders übel trifft es die Sau in deutschen Landen (vom Importfleisch aus dubiosen Quellen in Osteuropa brauchen wir erst garnicht reden). Unter dem sowieso schon hohen Fleischkonsum der Deutschen (oder besser des Deutschen, da überwiegend die Männer in einem anachronistischen, machohaften Selbstbild gerne zu Fleisch greifen – am besten 2x täglich an 7 Tagen die Woche) ist Schweinefleisch der Spitzenreiter. Über die Hälfte des durchschnittlichen jährlichen Fleischkonsums von fast 60 kg pro Kopf fällt auf Schweinefleisch. Der Spitzenplatz für die Sau ist bitter erarbeitet – denn den Tieren geht es oft schlecht in deutschen Ställen.

Damit Fleischkonsum wenigstens etwas vertretbarer wird, sollte auf ein paar Standards geachtet werden. Dies ist die Idee einer Gesetzesinitiative, die schon länger in den parlamentarischen Gremien behandeltet wird und nun zur endgültigen Entscheidung im Bundesrat liegt. Insbesondere soll die Haltung von Schweinen im sogenannten „Kastenstand“ verboten werden. „Ein Urteil aus dem Jahr 2015 stellt fest, dass die bestehenden Kastenstände viel zu eng sind. Sie entsprechen bereits seit 1992 nicht den Anforderungen der Haltungsverordnung und sind deshalb illegal. Kastenstände müssen mindestens so breit sein, dass die Sauen in Seitenlage eine ausgestreckte Liegeposition einnehmen können.“ Zu den Hintergründen dazu und unangenehmen „Lebensverhältnisse“ (denn das kann man teilweise kaum noch als Verhältnisse zum Leben bezeichnen) hat die Aktion „Vier Pfoten in Deutschland“ beispielhaft einige Informationen zusammengetragen

Man würde nun erwarten, dass sich unsere Bundesregierung an Verordnungen und Urteile hält und Kastenstände im aktuellen Gesetzentwurf verbieten würde. Doch da hat man nicht die Rechnung mit Bauern-Julia (a.k.a. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner) gemacht. Mit ihren Freunden der Agrarlobby hat sie das Gesetz verwässert und ausdrücklich wieder Kastenstände erlaubt – und das mit einer Übergangsfrist von 17 Jahren. 

Kampf der Tierqual: Unterschreibe jetzt den Aufruf von Campact!

Das Gesetz liegt nun im Bundesrat zur weiteren Abstimmung. Es gibt noch ein kurzes Zeitfenster, um aktiv zu werden und die politischen Kräfte gegen das Gesetz in dieser Form zu mobilisieren. Insbesondere Landesregierungen mit Grüner Beteiligung können das Gesetz kippen. Aus diesem Grund gibt es den Aufruf „Stoppt die Schweinequal“ von Campact!. In diesem Eil-Appell kann man mit seiner Unterschrift zum Ende dieser grausamen Tierhalte-Praxis aufrufen. Die Zeit läuft – wir haben nur noch bis 15. Mai 2020 dafür Zeit und noch fehlen etwas mehr als 35.000 Unterschriften um das Ziel von 500.000 Unterstützer*innen zu erreichen (Stand: 7.5.2020-11 Uhr)

Los – sorge für ein saugutes Leben von Schweinen!

Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.