Was Oma schon wusste: so lebst Du nachhaltiger & achtsamer!

In den herausfordernden Umständen, in denen wir gerade leben, haben wir noch mehr den Wunsch nach einem stressfreien und vor allem nachhaltigen, achtsamen Leben. Wir haben nun auch teilweise den zeitlichen Freiraum, um uns in solch einem Lebensstil zu üben. Viele schauen sich dazu Videos an, lesen Bücher, hören Podcasts (hier unsere Tipps für nachhaltige Podcasts) oder unterhalten sich mit Freunden über den geeigneten Weg. Dabei liegt die Lösung oft nicht weit entfernt: wie in so vielen Lebenslagen kann man die besten Lebensratschläge bei seiner Oma bekommen. Da wir momentan von den älteren Mitmenschen getrennt leben sollen, um sie vor Corona zu schützen, wäre es doch ein schöner Grund für ein Telefonat. Welche Ratschläge kann uns Opa oder Oma geben für mehr Nachhaltigkeit im Leben.

Auch mir kam im Blick auf das Leben meiner Oma im Nachhinein einige Tipps für ein nachhaltigeres, achtsames Leben in den Sinn. Diese Ratschläge hat mir meine Oma nicht selbst gegeben: sie hat sie vorgelebt. Bei genauer Beobachtung dieses (Vor-)Lebens erkenne ich, dass sie Einiges richtig machte und genau das tat, was heute die Wissenschaft als Zutaten für ein achtsames Leben ‚entdeckt‘ haben.

Nachhaltiges Leben geht durch den Magen

Zunächst einmal hat sich Oma wohl gesünder ernährt als viele von uns es heute tun. Es ist ist inzwischen erwiesen, dass gesunde Ernährung sehr zu einem besseren Leben beitragen kann. Damals gab es bei Oma kein Fast Food, Convenience Produkte, Fertigmahlzeiten oder sonst irgendwelche Industrie-Lebensmittel. Viele der Zutaten für das tägliche Essen kamen sogar aus dem eigenen Garten und aus der Region. Man kaufte beim örtlichen Metzger, Bäcker und Bauer ein. Es gab viel mehr Gemüse und jeden Tag einen grünen Salat. Grüne Gemüse helfen beim Abbau des Stresshormons Cortisol und tragen deshalb besonders zu einem stressfreien Leben bei. Dazu etliche verschiedene Beeren aus dem Garten und ein paar selbstgesammelte Nüssen waren auch immer im Vorratsschrank (beides sind gute Cortisol-Reduzierer). Mindestens einmal pro Woche gabs Fisch (klassisch im katholischen Haushalt natürlich immer am Freitag und einmal in der Woche Bratheringe für Opa – die mochte er sehr). Fisch hat viel Omega 3 und ist damit ein sehr gutes Antistress-Lebensmittel. Das gilt auch z.B. für Leinsamen. Meine Oma liebte ihr Leinsamenbrot.

Auch gab es immer Haferflocken im Haus. Gerade wenn man krank war, wurde Haferbrei oder Haferschleimsuppe verabreicht. Heute weiss man, dass Hafer extrem gut gegen Stress wirkt und vor allem auch für die Darmfunktion sehr viele Vorteile bringt. Ein gesunder Darm schützt uns vor Stress. Der gute Haferbrei findet heute unter den englischen Namen „Porridge“ oder „Overnight Oats“ sein Comeback in hippen Food Blogs. Doch schon bei Oma trug er massgeblich zu stressfreien Leben bei. Dazu dann noch täglich Tee: Schwarztee ist auch nun wissenschaftlich anerkannt als Stresshemmer; und Kamillentee sowieso. Den gab’s bei Oma von selbstgesammelten Kamillenblüten. Wer mehr zum Thema Tee als achtsamer Helfer, klickt hier zu unserem Artikel dazu..

Oma hatte mehr als nur Kamillentee

Ein paar weitere Tricks für das achtsame, nachhaltige Leben hatte Oma auch noch auf Lager. Tägliche Bewegung gehörte dazu: ob im Garten oder Haushalt; es gab immer etwas zu tun, was sie in Bewegung hielt. Einkäufe im Ort wurden per Fahrrad erledigt. Viele Jahre fuhr sie sogar täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das waren 20km pro Strecke; und was eine Notwendigkeit war (sie hatte keinen Führerschein und der öffentliche Nahverkehr nur bedingt vorhanden), hat sich als gute Maßnahme für ein stressfreies Leben erwiesen.

Insgesamt hatten unsere Großeltern generell für ein entschleunigtes, achtsames Leben gesorgt. Wer seinen Alltag etwas ruhiger angeht, baut auch Stress vor. Der Tagesrhythmus war bedächtiger, aber auch tiefer. Beziehungen wurden nachdrücklicher gepflegt. Der Tratsch mit den Nachbarn gehörte dazu, die Mitarbeit in Vereinen und vor allem das Dasein für Familie und die Nächsten stärken unsere Psyche und sorgen für stressfreies Leben. Hobbies wie Nähen, Stricken und Häkeln entschleunigten das Leben ebenfalls. Und auch das tägliche aufmerksame Zubereiten der Speisen und sowie das Einmachen, Einkochen, Einlegen der Lebensmittel sind Vorgänge, die ein achtsameres und nachhaltigeres Leben fördern – und damit Stress reduzieren. Es gab eben auch einen sorgfältigeren Umgang mit allen Produkten, Dingen des täglichen Bedarfs etc und deren Wertschätzung.

Schon Oma wusste: Schlaf ist gesund

Ein weiterer wichtiger Punkt war der tägliche Schlaf. Schlaf ist das A und O für ein stressfreies Leben. Wer ausreichend schläft kann seine Stresshormone ausgleichen und damit den Tag über gelassener sein. Meine Großeltern gingen immer schon um 22h ins Bett; oft sogar früher, ganz selten später. Sollte mein Opa mal länger vor dem Fernseher sitzen, hatte er sich sowieso mit einer dicken Sonnenbrille bewehrt: er traute den Strahlen aus dem TV Gerät nicht. Heute weiß man, dass zu lange vor dem Bildschirm sitzen uns um den Schlaf raubt. Mein Opa tat das instinktiv Richtige. Gab es Nachts dennoch zu wenig Schlaf, wurde auf ein Mittagsschläfchen bestanden.

Wir belächeln manchmal vielleicht die Gemächlichkeit des Lebens vor noch garnicht langer Zeit. Aber diese Ruhe und Gelassenheit hat diesen Menschen ein stressfreies Leben besorgt. Gewiß hatte man mit Problemen und Sorgen zu kämpfen – gerade die Kriegs- und Nachkriegsgeneration; aber die Lebensweise sorgte dafür, dass man damit resistent und gesund umgehen konnte. Jeder sollte sich da ein bisschen was abgucken, denn ein stressfreies Leben des Einzelnen führt zu weniger Stress bei uns allen. Und danken wir Oma täglich dafür, dass sie uns das durch ihr Beispiel lehrte.

Welche Ideen, Ratschläge oder Lebensweisheiten habt Ihr von Euren Großeltern gelernt? Was nehmt Ihr von Ihnen für ein stressfreies Leben mit?

Wir ermuntern übrigens Euch, gerade jetzt den persönlichen Kontakt – ohne physische Nähe – mit Euren älteren Familienmitgliedern, Nachbarn oder Bekannten zu suchen. Da wir sie ja nicht persönlich treffen sollen während der Corona-Pandemie, ist es eine gute Idee, sich mit Ihnen dennoch über solche Themen auszutauschen. Wir hatten dazu auch schon die Idee eines gemeinsamen Kochbuchs vorgeschlagen.

Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.