Wie groß ist denn Deiner?

Wir leben fast alle auf viel zu großem Fuße? Gemeint ist unser „ökologischer Fußabdruck“. Der ökologische Fußabdruck spiegelt die notwendige Fläche auf der Erde wieder, die für das dauerhafte Ermöglichen des Lebensstils sowie der Lebensstandards (unter heutigen Produktionsbedingungen) nötig ist. D.h. konkret, er ist eine Maßzahl für unseren „Erdenverbrauch“ bezogen auf unseren Lebensstil. Wir Deutsche verbrauchen im Schnitt ca. 3 Erden pro Jahr. Damit sind wir in den Top 4 aller Länder weltweit: nur noch übertroffen von Russland, Australien und den USA. (Siehe Zahlen / Ländervergleich 2019 auf statists.de )

Nun ist jedem Menschen mit einigermaßen Verstand und Verständnis klar, dass ein jährlicher Verbrauch von 3 Erden unweigerlich dazu führen wird, dass wir irgendwann keine Erde mehr zum Verbrauchen haben. Es funktioniert sowieso nur noch, weil die restliche Bevölkerung (insbesondere arme und Schwellenländer) wesentlich weniger verbrauchen: wir fressen denen – nicht nur wörtlich – die Erde weg. Die Erde erscheint uns riesengroß und doch ist sie eine endliche Ressource. Es ist dringend notwendig, dass wir unseren Verbrauch der Ökologie ändern und radikal reduzieren. Ansonsten ist bald keine Erde mehr zum leben da und die nachfolgenden Generationen sind regelrecht jeglicher Lebensgrundlage beraubt.

Dazu ist auch keine rechnerische Großleistung zu erbringen. Nimmt man die jetzigen Verbrauchswerte, dann ist die Kapazität der Erde im Durchschnitt in Deutschland nach ca 4-5 Monaten pro Jahr schon weg. Für 2020 hat sich der Termin des sogenannten „Earth Overshoot Day“ aufgrund von Corona ein wenig nach hinten verschoben und liegt aktuell auf dem 3. Mai 2020. Das heißt, ab diesem Tag leben wir als Deutsche quasi auf Pump auf der Erde. Die Ressourcen für das restliche Jahr nehmen wir uns dann ganz dreist von Ländern, die bzgl. der sogenannten Bio-Kapazität auf sparsamem Fuße leben. Darunter so arme Länder wie Kongo oder Laos. Die kriegen auch nichts dafür von uns, sie werden auch nicht gefragt: wir nehmen uns das einfach heraus und leben fröhlich und frech weiter so.

Wir MÜSSEN handeln und Jede*r kann was tun!

Wir dürfen nicht nur, wir können nicht nur – nein, wir müssen so nicht weiter machen! Es ist irrational, seinen eigenen Ast abzusägen. Das tun wir mit unserem Lebenswandel. Es ist asozial gegenüber den nachfolgenden Generationen und gegenüber der übrigen Weltbevölkerung, die Erde so auszulutschen, dass für die Anderen nichts mehr übrig bleibt. Noch viel schlimmer: wir werden alle schon bald die Konsequenzen selbst erfahren, die unsere Lebenswandel hervorruft. „Nach mir die Sinflut“ gilt hier nicht: denn wir werden selbst von dieser Flut weggespült werden. Der Klimawandel ist nur ein Indiz dafür. Die Luftverschmutzung, Mikroplastik in Wasser und Nahrungsmittel, ja sogar die Fluchtbewegungen aus den armen Teilen der Welt – das Alles sind schon sehr konkrete Folgen unseres gierigen Lebensstils.

Den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren ist daher eine bedeutende und unausweichliche Aufgabe von uns. Die Aufgabe können wir nicht einfach nur an Regierung oder Wirtschaft wegdeligieren. Denn jede*r Einzelner*r von uns ist Teil des Problems und kann daher auch dagegen etwas unternehmen. Wenn wir alle darauf achten, unsere jeweiligen ökologischen Fußabdrücke zu reduzieren, dann wird auch allgemein der Verbrauch der Gesellschaft geringer (und die Unternehmen und Regierungen sind noch mehr motiviert, diese Entwicklung dann auch zu unterstützen und mitzugehen).

Als Ausgangspunkt ist es daher erst einmal notwendig, dass Du deinen Abdruck berechnest. Hierzu hast Du verschiedene Tools zur Verfügung, die wir kurz vorstellen. Je umfassender die Berechnung ist, umso besser kannst Du erkennen, wo Dein Abdruck besonders groß ist und welche Stellschrauben Du zur Verbesserung hast. Insbesondere für die Entwicklung geeigneter Maßnahmen zum schonenderen Ressourcenverbrauch ist die Berechnung Deines individuellen ökologischen Fußabdrucks ganz besonders nützlich. Mach Dir also gleich einmal ein Bild davon, wie Du zur Rettung der Erde beitragen kann und was jeder von uns tun kann, damit der 3. Mai kein trauriger Tag wird, sondern in jeder Hinsicht ein ermutigender: weil wir es besser können und machenals vorher!

Berechne Deinen ökologischen Fußabdruck:

Hier kurz ein paar Rechner, die Du für den ökologischen Fußabdruck nutzen kannst:

Brot für die Welt stellt einen einfache Online-Rechner zur Verfügung: ganz gut für den Einstieg und ersten Überblick.

Etwas umfassender geht es beim Online Rechner des Österreichischen Ministeriums für Nachhaltigkeit zu. Der Rechner legt für seine Berechnungen und Annahmen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Statistiken zugrunde. Sehr empfehlenswert.

Einen weiteren umfassenden Rechner- allerdings auf English – gibt es bei Global Footprint Network. Diese Organisation wurde von den Wissenschaftler Anfang der 90er gegründet, die das Konzept des ökologischen Fußabdrucks entwickelten und zum ersten mal auch berechneten. Du kannst hier daher Deinen Fußabdruck in der Originalversion erstellen.

Schließlich noch ein Link für diejenigen, die noch gerne mit Papier arbeiten: Bei Endlich-Wachstum.de kann man eine PDF Variante des Rechners in Form eines Fragebogens ausdrucken.

Christian Knäbel
ck@globalmediaconsult.com

Christian Knäbel ist ein erfahrener Unternehmensberater und Coach. Er berät Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, weltweit in der Medien- und Telekommunikationsbranche in Projekten zu Strategie, Business Development und Nachhaltigkeit. Sein Motto: Nachhaltig leben sollte kein Hexenwerk sein: praktisch und in kleinen Schritten kann jeder was tun.